19.März - 28.August 2022

Anne Marie Carl-Nielsen

Das Museum präsentiert die gröβte Einzelausstellung mit der weltberühmten dänischen Bildhauerin seit 75 Jahren. In der Ausstellung laden wir Sie in die Werkstatt der Künstlerin ein, und hier können Sie sich mit der kompromisslosen Frau bekanntmachen, die in ihrer Zeit sowohl anerkannt als begehrt war, seitdem aber aus der Geschichte herausgeschrieben worden ist.

(c) Carl Nielsen Museet
(c) Carl Nielsen Museet

Anne Marie Carl-Nielsen war die erste Bildhauerin der Welt, die die Aufgabe erhielt, eine Reiterstatue von einem König und bronzene Tore für einen Dom auszuführen; zwei der grössten Prestigeaufgaben. Obwohl viele die Reiterstaue von Christian dem Neunten auf der Reitbahn des Schlosses Christiansborg kennen und durch die bronzenen Tore des Riber Doms gegangen sind, kennen die wenigsten heute Anne Marie Carl-Nielsen. In der damaligen Zeit war sie eine begehrte und erfolgreiche Künstlerin, die bei grossen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten war und Auszeichnungen bekam.

Im Alter von 25 Jahren stellte sie in Der Nordischen Industrie-, Landwirtschaft und Kunstausstellung in Kopenhagen aus, wo der französische Bildhauer Auguste Rodin ihre kleinen Statuen von Kälbern bemerkte, die so naturgetreu waren, dass sie ” vom Stall dufteten”. Im Jahr danach vertrat sie auf der Weltausstellung in Paris Dänemark und gewann eine Bronzemedaille. Später erhielt sie die ThorvaldsenMedaille, die vornehmste Ehrung der Kunstakademie, die Verdienstmedaille des Regenten für Geist und Kunst, und fast 30 Jahre lang bewohnte sie die Ehrenwohnung der Kunstakademie.

Skulptöse in jungem Alter

Schon mit 12 Jahren begann sie, kleine Figuren in Butter und Ton zu modelieren. Anne Marie Carl-Nielsen wuchs auf dem Lande auf und schilderte die Haustiere der Familie in den Materialien, die ihr zur Verfügung standen. Trotz ihres offenkundigen künstlerischen Talents war ihr Vater der Meinung, dass sie Haushalt lernen sollte. Aber kraft ihres Durchsetzungsvermögens und ernstgemeinten Engagements kam sie in die Schule des anerkannten Bildhauers August Saabye (1823-1916).

Anne Marie Carl-Nielsen machte ihre Skizzen in Wachs und Ton und goss in Gips und Bronze. Sie war vorerst Skulptöse und hatte ihr Wissen in ihren Händen. Sie drückte sich dreidimensional aus, liess sich mit ihren Werken in allen Stadien fotographieren und nahm früh in ihrer Karriere selbst ihr Werk und die Erzählung davon in ihre eigene Hände.

Die Gleichstellung der Kunst – die Kunst der Gleichstellung

Anne Marie Carl-Nielsen war eine moderne Frau. Sie war mit dem Komponisten Carl Nielsen verheiratet, der für sie sowohl ihre Quelle der Inspiration als Gegener war. Ihr ganzes Leben versuchte sie Kunst und Liebe ins Gleichgewicht zu bringen. Sie war nicht für sich fortschrittlich, sondern kämpfte auch für das Recht ihres Geschlechts auf eine akademische Ausbildung. Zusammen mit den grossen Künstlerinnen der damaligen Zeit, wie z. B. Anna Ancher gründete sie die Gesellschaft der Künstlerinnen und arbeitete aktiv für den Einlass der Frauen in die Kunstakademie und ihr Recht darauf, in einer Zeit auszustellen, die von männlichen Künstlern dominiert war.
Obwohl Anne Marie Carl-Nielsen eine der wichtigsten und erfolgreichsten Bildhauerinnen und künstlerisches Vorbild in ihrer eigenen Zeit war, bekam sie danach nie die Anerkennung und Rolle in der Kunstgeschichte, die ihr zusteht.

Über Anne Marie Carl-Nielsen

Anne Marie Carl-Nielsen lebte in der Zeit 1863 – 1945. Sie war mit den Komponisten Carl Nielsen verheiratet und sie bekamen 3 Kinder. Sie wuchs in Kolding auf, zog aber früh nach Kopenhagen und hielt sich durch längere Perioden im Ausland auf. Neben der Reiterstatue von Christian dem Neunten und den bronzenen Tore des Riber Doms sind ihre bekanntesten Werke unter anderem die Meerjungfrau vor der königlichen und das Monument für ihren Mann, Das Genie der Musik, mit dem jungen Flötenspieler, der auf der Straβe Grönningen steht, beide in Kopenhagen.

Über ihr Engagement in der Gesellschaft der Künstlerinnen hinaus war sie auch Mitbegründerin des Künstlerzusammenschlusses Die Freie Ausstellung.
Die Sonderausstellung ist von der Stiftung Carl Nielsen und Anne Marie Carl-Nielsen finanziert. Das Ausstellungskonzept ist von Ny Carlsberg Glyptotek herausgegangen. Nach der Ausstellung in Ribe geht die Ausstellung nach Fuglsang Kunstmuseum weiter. In Verbindung mit der Ausstellung ist eine gröβere Veröffentlichung herausgegeben worden.

 (c) Carl Nielsen Museet
(c) Carl Nielsen Museet